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Jul
21
So
MAC­BETH @ Schauspielhaus
Jul 21 um 19:00 – 20:50
„Heil dir, Macbeth, der du bald König sein wirst!“ Mit dieser Prophezeiung gerät Macbeth, dem schottischen König Duncan bis dato loyal ergeben, in eine tragische Spirale aus Ehrgeiz und Machtwillen, Schuld und Gewissen, Verrat und Mord.

Nach siegreicher Entscheidungsschlacht als Kriegshelden auf dem Rückweg zum Hof, begegnen Macbeth und Banquo drei Hexen. Sie übermitteln Macbeth die verheißungsvolle Botschaft seines Aufstiegs – aber erklären im selben Atemzug nicht ihn, sondern Banquo zum Vater künftiger Könige. Banquo wird das erste Opfer des neuen Königs Macbeth sein …

Obwohl zuerst eher verunsichert als angespornt von der geheimnisvollen Begegnung, wird Macbeth von der ungleich machtbewussteren Lady Macbeth auf den verhängnisvollen Pfad gedrängt: „Gern wärst du groß, bist ohne Ehrgeiz nicht, doch mangelt dir die Schlechtigkeit, die ihn begleiten muss“.
Dann ergibt sich günstige Gelegenheit und Macbeth tut es: Er tötet Duncan und wird selbst König. Doch schon während sich die Frage stellt, welche weiteren Mittel nötig sind, um König zu bleiben, meldet sich das Gewissen. Schuldgefühle brechen sich bahn, die zunächst Macbeth und später auch Lady Macbeth in Paranoia, Wahnsinn und Tod treiben. Die Prophezeiungen, die Macbeth verführten, wenden sich gegen ihn.

„Ich habe die Tat getan.“ Macbeth tötet den König. Nicht aus Opposition gegen Tyrannei, nicht für politische Ideale und eine bessere Gesellschaft – sondern um selbst König zu werden. Er verstrickt sich in ein komplexes Geflecht aus magischen Prophezeiungen, Anstachelung, Machtpragmatismus, Schuld, Ehrgeiz, Skrupeln und Gnadenlosigkeit. Ein Albtraum, nicht nur für ihn. Die Toten stehen wieder auf, die Taten kehren zurück. Und warum sollte nicht ein anderer dieselbe Entscheidung treffen wie Macbeth?

Regisseur Philipp Preuss hat eine eigene Fassung von Shakespeares Blutbad aus kruden Prophezeiungen, brutal konsequenten Entscheidungen, fatalen Folgen, Gier und Schuld entwickelt. In Wiederholungen und Überschneidungen und mit wechselnden Besetzungen erzählt er es als unabschüttelbaren Kreislauf der Schuld, aus dessen Verstrickung niemand entrinnen kann.

Jul
23
Di
HERZLICHES BEILEID @ Schauspielhaus
Jul 23 um 19:30 – 20:40

Georges Feydeau, Meister der federleichten Salonkomödie, nimmt in seinen Stücken die Irrungen und Wirrungen des stets durch Untreue und Unwahrheit bedrohten Beziehungslebens seiner Zeitgenossen in den Blick. So hochnotkomisch wie gnadenlos macht er in turbulenten Szenarien die Banalität alltäglicher Verhaltensformen und -normen sichtbar und weist dabei wie beiläufig auf die Brüchigkeit unserer „bürgerlichen Wohlanständigkeit“ – immer aber mit liebevollem Blick auf die Verspotteten.
Im Einakter „Herzliches Beileid“ geht es, kurz gesagt, um Kunst, Körper und Geld – und um den Tod, der im völlig falschen Moment anklopft. Lucien, von Beruf Buchhalter, vor allem aber ambitionierter Hobbymaler, kommt nach ausgiebiger Feier spätnachts (und vermessen kostümiert) nach Hause, während seine Gattin Yvonne offenbar dauerhaft dem heimischen Boudoir verhaftet bleibt. Als er sie (wie immer) mit seinem trunkenen Gepolter aufweckt, während sie sich (wie immer) nur schlafend stellte, fällt der Startschuss für den nächsten Eklat in einer länger währenden Eheschlacht. Lustvoll zerfetzt man sich in immer absurderen Anwürfen, Hohlformeln und Floskeln, bis jeder Sinn aus dem längst ritualisierten Kampf entwichen ist. Hinter alledem aber lauert die Leere: das nicht-Sein im vom Anderen nicht mehr wahrgenommen-Werden, in der existenziellen Unerfülltheit eines Lebens, das Beide sich vielleicht anders gewünscht hätten.
Nicht von ungefähr nannte Feydeau seine launig-luftigen Machwerke selbst „umgekehrte Tragödien“. Und nicht von ungefähr erwarten Lucien und Yvonne einen Herrn „Godot“ zum Essen, auf den Jahrzehnte später ein Autor wie Samuel Beckett – bewusst an den von ihm verehrten Komödiengroßmeister anknüpfend – ganz Andere warten lässt.